Die Abschlusstagung des Graduiertenkollegs „Gegenwart/Literatur“ geht von der Überlegung aus, dass Kriege als historische Ereignisse nicht nur Zäsuren darstellen, sondern zugleich produktive Kräfte sind, die Konzepte von Gegenwart hervorbringen. In kriegerischen Situationen verdichtet sich Zeit zu einem radikalen „Jetzt“, das gleichermaßen von Vergangenheit durchzogen und auf Zukunft hin ausgerichtet ist. Diese besondere Form der Gegenwart bleibt nicht folgenlos, sondern wirkt tief in literarische Produktionsweisen und ästhetische Darstellungsverfahren hinein. So verändern Kriege die Bedingungen, unter denen Literatur entsteht – etwa durch Formen der Zensur, neue Medien, Infrastrukturen oder der politischen Mobilisierung. Gleichzeitig prägen sie die Art und Weise, wie Gegenwart literarisch gestaltet wird: Erzählformen reagieren auf Beschleunigung, Unterbrechung und Gleichzeitigkeit, entwickeln neue Perspektivierungen und erproben Verfahren, um extreme Erfahrungen darstellbar zu machen. Die Tagung untersucht diese Wechselwirkungen in historischer Breite und systematischer Perspektive. Sie fragt danach, wie Kriege literarische Formen transformieren und wie umgekehrt Literatur dazu beiträgt, Gegenwart im Zeichen des Krieges zu denken, zu strukturieren und zu hinterfragen. Im Zentrum steht somit ein dynamisches Verhältnis, in dem Krieg und Literatur gemeinsam an der Hervorbringung von Gegenwart beteiligt sind.
9. Juli 2026 Podiumsdiskussion: Literaturbetrieb in einer Gegenwart der Kriege
Mit Nora Mengel (internationales literaturfestival berlin), Rainer Osnowski (lit.COLOGNE), Svenja Reiner (INSERT FEMALE ARTIST) und Julia Wessel (Wuppertaler Literatur Biennale)
Moderationa: Christopher Busch und Leandra Ossege
10. Juli 2026 Live-Podcast: Erich Maria Remarques Antikriegsroman Im Westen nichts Neues
Mit Dana Steglich und Stefan Geyer (Die ewige Liste)
Die Tagung findet vom 9.-11. Juli im Kapitelsaal der St. Remigius Kirche (Brüdergasse 8, 53111 Bonn) statt.